Die zweite Zuger Inklusive Landsgemeinde: Drei Forderungen, ein starkes Zeichen
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Am 18. Juni 2026 trafen sich Menschen mit Behinderungen und Vertreter der Regierung und des Parlaments nach 2024 zum zweiten Mal im Kantonsratssaal zur Zuger Inklusiven Landsgemeinde. Die Direktion des Innern hat den Anlass gemeinsam mit CONCLOOD organisiert. Wir waren hautnah mit dabei und freuen uns, dass die Vorarbeit und intensive Vorbereitung sich ausgezahlt haben. Am Ende standen drei klare Forderungen an die Politik – und die Gewissheit, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.

Es ist ein besonderer Moment, wenn sich ein ganzer Parlamentssaal für Menschen mit Behinderungen und für ein einziges Thema öffnet. Unter dem Motto «Arbeit im Fokus, Inklusion im Zentrum» kamen Betroffene mit Kantonsrätinnen und Kantonsräten aller Fraktionen sowie Regierungsvertretern zusammen. Im selben Saal, in dem sonst über die Finanzen, das kantonale Gesundheitswesen oder Strassenbauprojekte debattiert wird.
Nach der Premiere im September 2024, als die Teilnehmenden über Arbeit, Wohnen und politische Teilhabe sprachen, war der Wunsch nach einer Fortsetzung gross und Kantonsratspräsident Stefan Moos hat damals versprochen, dies zu ermöglichen. Diese hat nun stattgefunden und wir sind sehr stolz darauf, dass wir dabei eine aktive Rolle innehatten, das Format weiterzuentwickeln. Nebst den Politikern waren rund 40 Gäste anwesend, die die Debatte interessiert mitverfolgt haben.
Was diese Inklusive Landsgemeinde von der ersten Austragung unterscheidet: Die Voten der Teilnehmenden sind nicht spontan entstanden, sondern in einer Reihe von Workshops gemeinsam erarbeitet worden. Wir sind stolz darauf, dass wir mit CONCLOOD den gesamten Prozess begleiten und unterstützen durften. Über viele Wochen haben wir mitgeholfen, aus persönlichen Erfahrungen konkrete politische Anliegen zu formulieren. Dabei war uns wichtig, dass die einzelnen Voten auch eine reale Chance haben, von der Politik aufgenommen zu werden. Keine Luftschlösser, sondern fundierte Vorschläge, die umgesetzt werden könnten.
Entsprechend gross war auch das Interesse der Medien: Mehrere Redaktionen waren vor Ort, das Schweizer Fernsehen SRF drehte sogar eine ausführliche Reportage für «Schweiz aktuell» und befragte uns dafür als Experten zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen im Arbeitsmarkt (Link zum Beitrag auf Play SRF). Dass ein Thema, das sonst eher Randnotiz bleibt, plötzlich so viel Aufmerksamkeit bekommt, freut uns besonders und zeigt, wie viel ein gut gemachtes Format bewirken kann. Das macht diese Plattform, die der Kanton Zug der Inklusion zur Verfügung stellt, auch so wertvoll.
Im Saal herrschte über zwei Stunden hinweg konzentrierte Stimmung. Die drei Anliegen wurden auf beeindruckende und höchst professionelle Art vorgetragen, so dass die anwesenden Politiker ihre Anerkennung und ihren Respekt spontan äusserten. Am Ende der Debatte standen drei konkrete Forderungen an die Politik: Erstens ein finanzieller Anreiz für Arbeitgebende, die mit der Anstellung eines Menschen mit Behinderung Mehrkosten haben. Zweitens eine Prüfung kantonaler Unterstützungsangebote für die Stellensuche. Und drittens eine Vorbildfunktion der öffentlichen Hand selbst, die mehr Menschen mit Behinderungen beschäftigen soll.
Kantonsratspräsident Stefan Moos brachte es auf den Punkt: Die Diskussion habe gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe. Für uns ist das mehr als eine Floskel. Es ist die offizielle Bestätigung, dass die Stimmen aus dem Saal gehört wurden.
Und doch wissen wir: Mit einer guten Diskussion ist es nicht getan. Ob aus den drei Forderungen von 2026 nun ein parlamentarischer Vorstoss, ein Pilotprojekt oder zunächst nur eine Prüfung wird, entscheidet sich erst in den kommenden Monaten. Es braucht dafür vor allem eines: dass die einzelnen Parteien in dieser Sache zusammenarbeiten und die politische Agenda in den Hintergrund rücken. Dieser Spirit war zu spüren, von links bis rechts will man anpacken.
Die zweite Zuger Inklusive Landsgemeinde war aus unserer Sicht ein Erfolg – vor allem für die Inklusion und somit für alle Menschen mit Behinderungen.
Was uns in sehr guter Erinnerung bleiben wird, sind professionell vorgetragen und vor allem berechtigte Anliegen von Menschen mit Behinderungen und zahlreiche Gäste, die die Landsgemeinde mit viel Interesse mitverfolgt haben. Am wichtigsten aber die Reaktion der Politiker und Regierungsvertreter, die mit viel Offenheit und engagiert zugehört und die Anliegen aufgenommen haben.
Das motiviert uns, die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt weiter voranzubringen. Bis zur dritten Zuger Inklusiven Landsgemeinde ist es noch weit, aber der Weg dorthin ist genauso wichtig wie der Anlass selbst.
Text: Benno Stäheli / Bild: Kanton Zug